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Whisky & Cigar /Bar: Schwips mit Stil in der Sophienstraße

Whisky & Cigar /Bar: Schwips mit Stil in der Sophienstraße
September 2026

Das Nachtleben rund um die Hackeschen Höfe wird lebendiger. Seit dem Frühjahr 2026 hat sich das Geschäft „Whisky & Cigars” zur Bar erweitert und bietet gehobenen Genuss auch vor Ort – nur wenige Schritte vom Hintereingang der Hackeschen Höfe in der Sophienstraße entfernt.

Betreutes Trinken

Der Schwips hat gerade einen schweren Stand. Immer neue Berichte über die der Gesundheit abträglichen Wirkungen versuchen uns den Spaß zu verderben. Eva und Vera Sichelschmidt ficht das nicht an. Mutter und Tochter haben ein bereits seit 1997 bestehende Fachgeschäft für Whisky und Zigarren jetzt zur Bar erweitert. Aus „Whisky & Cigars" wurde die „Whisky & Cigar /Bar”. Ein Buchstabe ist dabei auf der Strecke geblieben: Für alles, was man im Leben bekommt, müsse man auch etwas geben, so Eva Sichelschmidt. Ein „s” für eine ganze Bar – ein guter Tausch. Der über 30 Jahre gewachsene Laden und das Fachwissen der Menschen, die hinter ihm stehen, bleiben.

Fünf Stufen über dem Alltag

Ein früher Abend im Sommer. Die Sophienstraße liegt noch in der Sonne. Fünf Stufen empor und die Hektik des Alltags bleibt zurück. Eva Sichelschmidt nebst Terrier Tilly erwartet mich. Schwarzes Kleid, darüber eine Art Bomberjacke – der Auftritt verrät Stilbewusstsein, Eleganz mit berlingemäßer Lässigkeit. Auch der Raum ist sorgsam und geschmackvoll gestaltet, hell, transparent und, mit viel Glas und Spiegeln, ein klein wenig labyrinthisch. In hinterleuchteten Regalen schimmern golden die Schnapsflaschen. Gestaltet und kürzlich umgestaltet hat die Räume der Innendesigner Stefan Sell. Der Umbau lief bei laufendem Betrieb. Verkauft wurde weiter – eine Herausforderung für Kundschaft und Mitarbeitende.

Vom Genuss zum Geschäft

Angefangen hat alles 1997 mit einer Schnapsidee. Berlin-Mitte hatte sich nach der „Wende” zu einem großen Abenteuerspielplatz entwickelt, der sich zudem unablässig verwandelte, erinnert sich Eva Sichelschmidt. Ständig erschienen neue Kunstinitiativen, illegale oder halblegale Bars und Clubs auf der Bildfläche – und verschwanden oft schnell wieder.

In der damals noch arg ramponierten Kulisse von Mitte erregten Eva Sichelschmidt und ihre beste Freundin mit einer extravaganten Freizeitbeschäftigung Aufsehen: Schach spielen und dabei Whisky trinken und Zigarre rauchen. Beide Genussmittel waren im ehemaligen Ostteil der Stadt nicht zu bekommen. Die Frauen erkannten eine Marktlücke – und sprangen hinein.

Eva, im Ruhrgebiet aufgewachsen, war im Sommer 1989 nach Berlin gezogen – wenige Monate vor dem Mauerfall. Die gelernte Damenschneiderin hatte ein Atelier für Abendmode geführt und arbeitete dann als Kostümbildnerin bei Film und Oper. Als sie Mutter wurde, wurden die unregelmäßigen Arbeitszeiten in den kreativen Branchen zum Problem. Ein weiterer Beweggrund für die Geschäftsgründung.

Eva Sichelschmidt und Tilly
Eva Sichelschmidt und Tilly
Aus einem Laden werden zwei

Die enorme kreative Energie im Berlin-Mitte der 1990er Jahre fiel irgendwann dem Kommerz und der Gentrifizierung zum Opfer. Dem Absatz an Spirituosen und Zigarren hat das nicht geschadet. In den Jahren nach der Jahrtausendwende brummte das Geschäft. Zum Whisky kamen Rum und Gin; ein sich erweiterndes Sortiment brauchte mehr Platz. Der inzwischen von Sichelschmidt alleine geführte Laden wechselte die Straßenseite und nahm am neuen Ort fortan zwei zusammengelegte Ladengeschäfte in Anspruch – bis heute ablesbar an der Adresse mit der Hausnummer 8–9.

Die nächste Generation

Krisen sind schlecht fürs Geschäft. Die in der Regel nicht unvermögende Kundschaft hochwertiger Spirituosen und Zigarren hält in Zeiten der Unsicherheit, selbst wenn sie nicht unmittelbar betroffen ist, ihr Geld zusammen. Ob Finanz- oder Coronakrise, Ukraine- oder Irankrieg – Eva Sichelschmidt spürte die Auswirkungen unmittelbar. Möglicherweise ein Beweggrund, sich geschäftlich mit einem weiteren Bein stabiler aufzustellen. Der zweite Beweggrund: Tochter Vera. Die hatte Lust auf Bar. Und diese Lust erstreckt sich nicht nur auf die Planung der nötigen Umbaumaßnahmen und die Entwicklung der Barkarte zusammen mit dem langjährigen Geschäftsführer Eugen Kasparek. Vera und ihre Freunde stehen auch abends hinter der Bar.

Die jungen Leute ziehen ein gleichaltriges Publikum an, das sich mit dem langjährigen Stammpublikum des Ladens mischt, freut sich Eva Sichelschmidt.

Vera und Eva Sichelschmidt
Vera und Eva Sichelschmidt

Ganz nach Geschmack

Genau genommen sind es zwei Bars: an einer werden Whiskys, an der anderen Cocktails gereicht. Auch eine Auswahl an Champagnern gehört zum Angebot – pur oder als Bestandteil von Cocktailkreationen. Und wer gar keinen Alkohol möchte, geht ebenfalls nicht leer aus – die alkoholfreien Drinks sind keine Verlegenheitslösung, sondern Teil der Karte. Ich bekomme einen köstlichen Cocktail auf Mandelmilchbasis: samtig, leicht bitter, intensiv. Man vergisst beim Trinken, was nicht drin ist. 

Wem der Rum, Gin oder eben ein Whisky besonders mundet, kann auf Wunsch auch gleich eine ganze Flasche mit nach Hause nehmen.

Zum Kochen reicht der Platz nicht. Trotzdem haben Eugen Kasparek und Vera Sichelschmidt eine kleine Karte mit sechs oder sieben verschiedenen Snacks entwickelt, darunter hauchdünn aufgeschnittener Tiroler Rohschinken mit Kren oder leicht scharfe Forellenfilets auf Brioche. Häppchen und Getränke wechseln mit den Jahreszeiten.

Kleine Snacks können auch draußen eingenommen werden.
Kleine Snacks können auch draußen eingenommen werden.

Die Zigarre als Kulturgut

In Zeiten, in denen das Rauchen fast überall aus dem öffentlichen Raum verschwunden ist, hält man an der Zigarre als Kulturgut fest. Im Humidor lagern Schätze aus Honduras, Nicaragua und der Dominikanischen Republik. Angezündet werden die drinnen allerdings nicht. Dafür gibt es zwei Möglichkeiten:

Wer auf der Straße rauchen oder bei einem Getränk Passanten beobachten möchte, muss nicht unbedingt stehen, sondern kann sich in die mit Kissen ausstaffierten Fensternischen setzen. Für Drinks und Snacks stehen kleine Klapptischchen bereit. Außerdem bieten sich auf einer kleinen Terrasse im Hof lauschige Sitzgelegenheiten unter freiem Himmel. Die Whisky & Cigar /Bar lässt sich perfekt mit einem Besuch in den Hackeschen Höfen verbinden. Wenn hier die Geschäfte schließen, öffnet dort die Bar. Auch einen Abend im Kino oder im Chamäleon-Theater kann man in der Bar gepflegt ausklingen lassen. Oder bei Bedarf noch Whisky und Zigarren für den Hausgebrauch mitnehmen.


Die Terrasse im Hof
Die Terrasse im Hof
Zu Eva Sichelschmidt:

Eva Sichelschmidt ist Schriftstellerin: 2013 erschien „Vom Locken der Federn”, die von ihr mitverfasste Autobiographie der Berliner Hutmacherin Fiona Bennett. In ihrem 2017 erschienenen ersten Roman „Die Ruhe weg” schildert sie die Midlife-Crisis einer Prenzlauer-Berg-Bewohnerin. „Bis wieder einer weint” (2020), die Geschichte einer westdeutschen Unternehmerfamilie und ihres Verfalls, war für den Deutschen Buchpreis nominiert. „Transitmaus” (2023) erzählt von den Erlebnissen eines Mädchens aus dem Ruhrgebiet im schillernden Westberlin der 1980er Jahre. 

Whisky & Cigar /Bar Sophienstraße 8–9, 10178 Berlin

Bar: Mi–Sa 17–23 Uhr
Laden: Mo–Fr 11–19 Uhr, Sa 11–18 Uhr

whiskyandcigar.bar