Nix Hertha oder Union: Mitte-Menschen brennen für Bero – der SV Blau Weiss Berolina Mitte
Fußball in Berlin – das heißt für die meisten: Hertha oder Union. Aber wer in Mitte lebt und Fußball liebt, der kickt bei oder hält zu Bero. Der Verein hat um die 1.800 Mitglieder. Die knapp 50 Teams tummeln sich am liebsten auf dem Hauptplatz, keine zehn Minuten von den Hackeschen Höfen entfernt. Mehr Mitte geht kaum.
Mehr als 75 Jahre Kicken im Kiez
Einmal Bero, immer Bero – das ist der Schlachtruf des Kiezvereins aus Mitte. Die Geschichte beginnt 1949 mit der Gründung von zwei Betriebssportgemeinschaften in der Spandauer Vorstadt. Die BSG Medizin Mitte, die zur Charité gehörte, und die BSG Motor Berolina Mitte spielten sich über Jahrzehnte in den untersten Ligen durch die DDR und die Wendezeit. 1992 schlossen sie sich zum SV Blau Weiss Berolina Mitte 49 e.V. zusammen. Die inzwischen weggefallene „49" im Namen erinnerte an das gemeinsame Gründungsjahr der beiden Vorgängervereine.
Fußball unterm Fernsehturm
Der angestammte Platz des Vereins ist der zentralste Fußballplatz Berlins. Er liegt ebenso prominent wie versteckt: hinter Altbaufassaden zwischen Tor- und Auguststraße und nur durch eine unscheinbare Einfahrt in der Kleinen Hamburger Straße zu erreichen. Der Platz entstand Anfang der 1950er Jahre auf einem Trümmer-Areal. 1992 sollte er dem Wohnungsbau weichen; Proteste der Mitglieder verhinderten das. Stattdessen wurde er saniert und 1999, nach dem Abriss eines Gebäudes, endlich auf amtliche Fußballplatz-Länge gebracht. Nach dem Abriss des Stadions der Weltjugend – auf dessen Gelände heute die BND-Zentrale steht – ist der Bero-Sportplatz an der Auguststraße der einzige verbliebene große Sportplatz in Berlin-Mitte. Auch wenn alle dort spielen wollen – er reicht nicht für alle. Berolina-Mannschaften weichen auch auf andere Plätze in der Nähe aus.
Eine besondere Nachbarschaft
Der Verein ist ein Spiegel der Nachbarschaft in Berlin-Mitte. So ist er die Heimat der Autoren-Nationalmannschaft, kurz Autonama, einem Fußballteam aus Schriftstellern und Künstlern unter dem Dach der DFB-Kulturstiftung.
Bero versteht sich als weltoffener Kiez-Verein, der sich für Nachbarschaftshilfe, Inklusion und Gewaltprävention engagiert. Die Frauen- und Mädchenabteilung ist eine der größten in Berlin. Eine eigene Beauftragte kümmert sich um den Kinder- und Jugendschutz, Fälle von Gewalt, Diskriminierung und Antisemitismus können anonym über die Webseite gemeldet werden.
An Spieltagen treffen sich auf dem Platz Alteingesessene, die das Viertel noch aus der Vor-Wende-Zeit kennen, und Zugezogene – aus anderen Teilen Berlins, Deutschlands und der Welt. Nach dem Abpfiff geht es ins Vereinsheim Schrödi's Bero-Klause, wo laut Berolina-Webseite „Handwerker und Start-up-Managerinnen, Biertrinker und Aperol-Spritz-Fans auf Augenhöhe" zusammenkommen.
Mitmachen, zuschauen, anfeuern – Breitensport statt Bundesliga-Träume
Berolina ist kein Verein für Profis, sondern für Leute, die Fußball lieben. Er lebt vom ehrenamtlichen Engagement seiner Mitglieder. Die Erste Mannschaft der Männer spielt in der Bezirksliga, die Frauen-Erste gewann im Frühjahr 2026 den Berlin-Pokal – der größte Erfolg der Vereinsgeschichte.
Wer an einem Samstag- oder Sonntagvormittag an der Kleinen Hamburger Straße vorbeikommt, hört schon von Weitem Rufe und die Trillerpfeife. Reinschauen kostet nichts. Und wer selbst kicken möchte – egal welches Alter, Niveau oder Geschlecht – findet bei Berolina eine passende Mannschaft.
Mehr Infos unter berolinamitte.de oder auf Instagram @berolinamitte.
Sportplatz und Vereinsheim zwischen August- und Linienstraße: Kleine Hamburger Straße 6, 10115 Berlin. Eingang an der Kreuzung Linienstraße/Kleine Hamburger Straße.