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Hexen, Dämonen und Kräuter gegen Sommersprossen

Hexen, Dämonen und Kräuter gegen Sommersprossen
24.06.2022

Wer dem heißen Sommerwetter entfliehen will, findet in den Hackeschen Höfen einen Ruhepunkt. Die Hitze schlägt sich hier nicht nieder. Allein die Höhe der Gebäude verschattet die Höfe und führt zu deutlich niedrigeren und angenehmeren Temperaturen. Die Menschen, die durch die Höfe schlendern, wirken entspannt. Und wer weiter in die Höfe vordringt, stößt überall auf Pflanzen - mit zum Teil besonderen Kräften. Gut möglich, dass auch sie zur manchmal magischen Ruhe des Ortes beitragen.

Die Schlehe – ein Schutz vor Dämonen und bösen Geistern

Schon in Hof 2 der erste Vorbote: Eine kleine Schlehe an einer Wand, an der Clematis in die Höhe schießt. Die Schlehe trägt viele kleine, sehr spitze Dornen, um ihre Früchte zu schützen. Aus dem Grund galt sie früher als Hüter von Haus und Hof und soll Dämonen und böse Geister fern halten. Auch in den anschließenden Höfen sind immer wieder Sträucher und Büsche gepflanzt, die in vielen Gegenden Deutschlands als magisch und heilkräftig geschätzt werden. Hibiskus zum Beispiel gilt als Aphrodisiakum und Symbol der Leidenschaft.


Menschen sitzen auf einer Bank unter einer Kastanie

Zauberhafter Frauenmantel

Dann ein Meer von Frauenmantel in Hof 3. Das eher niedrige Gewächs soll über eine Fülle von Kräften verfügen, allein wegen der Form seiner Blätter, die mit dem Umhängemantel Marias verglichen wurde. Vor allem dem Wasser, das durch feine Poren am Rad der großen Blätter ausgeschieden wird, wurden besondere Fähigkeiten zugesprochen: Schon die keltischen Druiden nutzen die Tropfen für kultische Handlungen. Kränze aus Frauenmantel an Fenstern, Türen oder auf dem Dachfirst sollten im Mittelalter vor Blitzschlag schützen.

Blüten, Tau und Blätter wurden verwendet, um Blutungen zu stillen, Geburtswehen zu mildern, aber auch, um Falten zu glätten oder Sommersprossen zu beseitigen. Sicher ist: Frauenmantel enthält viele Gerbstoffe. Das wirkt adstringierend, was bedeutet, dass kleine oberflächliche Wunden auf der Haut oder der Mundschleimhaut leichter geschlossen werden können. 

Für uns heute ist der Frauenmantel noch ganz anders hilfreich: Wenn er „schwitzt“, wird es vermutlich bald regnen. 


Die Stechpalme als Vorbote wärmer Temperaturen

Viele weitere Pflanzen in den Höfen haben der Überlieferung nach magische Kräfte: Ranunkel, Hahnenfuß, Hortensien, Lilien. Oder Holunder – der Hollerbusch soll gegen Feuer und Unwetter schützen und in seinen Wurzeln gute Geister beherbergen. Sogar Ilex – oder Stechpalme genannt – gibt es. Der Busch war schon den vorchristlichen Kelten heilig. Daneben zeigte er ganz praktisch klimatische Grenzen auf: Er wuchs nur bis in den Norden Brandenburgs. An der Grenze zu Mecklenburg-Vorpommern war es der Stechpalme zu frostig im Winter. Das aber hat sich geändert – mit dem Klimawandel wird Ilex auch in den Mischwäldern des Nordens heimisch. Hier wirken die Hackeschen Höfe wie ein landschaftsgärtnerisches Pilotprojekt. 

In Hof 6 steht ein noch nicht ganz so mächtiger Walnussbaum, der aber schon Früchte trägt, die im August oder September zu Boden fallen werden. Der Baum ist eine wunderbare klimatische Ergänzung im Hof. Durch die großen Blätter kühlt die Temperatur rasch ab. Mücken fliehen aus dem Dunstkreis des Baums. Anders als Eichhörnchen, Siebenschläfer, Mäuse oder Krähen, die Walnüsse lieben. Die ist im Übrigen auch für Menschen gesund und beugt vielen Krankheiten vor.

Eine Fülle von Früchten 

Überhaupt, die vielen Früchte in den Höfen: Wal- und Haselnüsse, Kastanien und sogar Erdbeeren sind zu finden. Wer dann die Höfe wieder verlässt, in die Sophien- oder Rosenthaler Straße, der ist erst einmal gesättigt von dieser Stille mitten in der Stadt. Was für ein Gefühl!   


Ein Fahrrad steht vor einer zugewachsenen Haustür
Ein Blumenbeet in den Höfen