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Ich will hier nie mehr weg

Katrin Biedenweg auf ihrem Balkon: Für die Begrünung der Höfe organisierte sie einst Fördergelder.
Katrin Biedenweg auf ihrem Balkon: Für die Begrünung der Höfe organisierte sie einst Fördergelder.
Dezember 2025

Zur einzigartigen Mischung der Hackeschen Höfe gehören neben Geschäften, Kultur, Gastronomie und Büros auch 100 Wohnungen. Katrin Biedenweg ist die am längsten hier wohnende Bewohnerin. Ihre Wohnung hat sie einmal besetzt. Später engagierte sie sich im Mieterverein für die Begrünung der Höfe. Wir haben sie besucht.

Erstmal einziehen, dann Mietvertrag

Katrin Biedenweg zog im letzten Jahr der Deutschen Demokratischen Republik in die Hackeschen Höfe. Immer mehr Menschen flohen zu dieser Zeit nach Westen; der untergehende Staat leerte sich, viele Wohnungen standen leer.

Wer damals im Ostteil Berlins eine Unterkunft suchte, zog oft einfach in eine leerstehende Wohnung ein – und bemühte sich danach um einen Mietvertrag. So kam auch die Lehrerin und alleinerziehende Mutter in die Hackeschen Höfe. Denn auch wenn die Höfe damals äußerlich in einem traurigen Zustand waren – „die Wohnungen waren immer toll – mit Zentralheizung und Innentoilette! Wo gab es das damals schon?”, erinnert sie sich. 

Ihre Wohnung war, wie sie bald erfuhr, bereits anderweitig vergeben. Die Wohnungsverwaltung bot ihr als Ersatz eine Wohnung in Hof 5 an – dem Hof mit der großen Kastanie und dem Blick auf die alten Bäume des benachbarten jüdischen Friedhofs. Ein Glücksfall: Schöner kann man mitten in Berlin kaum wohnen. Und so blieb Katrin Biedenweg – bis heute. „Ich will hier nie mehr weg“, sagt sie.

Vereint durch die Höfe-Sanierung

Es folgten aufregende Jahre. Mitte der 1990er-Jahre wurden die Hackeschen Höfe grundlegend saniert. Biedenweg begleitete die Arbeiten als Vorsitzende des 1994 gegründeten Mietervereins. Die Höfe wurden für mehrere Jahre zur Baustelle – zeitweise mussten sich alle Bewohner eines Aufgangs ein Badezimmer teilen. Weil es keine Baupläne mehr gab, wurde bei den Arbeiten versehentlich ein tragender Balken angebohrt – und fing Feuer. Die Decke musste abgestützt werden. Trotz dieser Herausforderungen hat Biedenweg den Sanierungsprozess in guter Erinnerung: „Die Hausverwaltung hat uns Mieter immer gut informiert und miteinbezogen – auch bei der Neuvermietung von Geschäften”.

Einige Jahre später setzte sie sich mit dem Mieterverein für die Begrünung der Höfe ein. Im Rahmen des Senatsprogramms „Wir begrünen die Höfe“ gelang es ihr, 50.000 Euro Fördermittel in die Hackeschen Höfe zu holen. Beete wurden angelegt, Bäume gepflanzt, Fassaden mit Grün belebt.

In den 1990er-Jahren verwandelten sich die Höfe für mehrere Jahre in eine Baustelle.
In den 1990er-Jahren verwandelten sich die Höfe für mehrere Jahre in eine Baustelle.

Man kennt sich

Der Mieterverein ist inzwischen eingeschlafen, doch Katrin Biedenweg organisiert bis heute das jährliche Hoffest. Dann wird in Hof 5 gegrillt – eingeladen sind alle Bewohner, die Mitarbeiter:innen der Geschäfte, die Hausverwaltung, die Hausmeister und sogar die zwei Wachschutz-Männer, die nachts in den Höfen ihre Runden drehen. Und im Winter trifft man sich noch einmal zum Glühwein. Katrin Biedenweg kennt alle, die in den Höfen leben und arbeiten. In den Geschäften, im Kino und im Restaurant bekommt sie einen kleinen „Höfe-Rabatt“. Es ist ein bisschen wie auf dem Dorf – mitten in der Großstadt.

Stören sie die vielen Touristen? – „Überhaupt nicht!“, sagt Biedenweg. „Würde ich woanders wohnen, hätte ich den Verkehrslärm von der Straße. Ich habe keinen Grund, mich zu beklagen.“

Im Treppenhaus: eine freigelegte Originaldekoration neben einer Nachschöpfung.
Im Treppenhaus: eine freigelegte Originaldekoration neben einer Nachschöpfung.