Headline: Die Eisprinzessinnen – eine süße Erfolgsgeschichte aus den Höfen
Zwei Studentinnen aus Venezuela bauen aus dem Nichts ein Unternehmen auf: Die Eiscreme- und Patisserie-Manufaktur Canal. Der kleinste Laden in Hof 1 der Hackeschen Höfe brachte sie einen großen Schritt voran.
Die Hackeschen Höfe sind ein Inkubator für kleine Unternehmen – ein Ort, an dem aus Ideen Wirklichkeit wird. Mit harter Arbeit kann man es hier auch ohne großes Startkapital schaffen: Das beweisen Daniella Canal und Lupe Eichner. Im Jahr 2015 eröffneten die beiden in Hof 1 eine nur wenige Quadratmeter große Verkaufsstelle für hausgemachtes Eis. Damit begann eine Erfolgsgeschichte mit zwei weiteren Standorten in Berlin-Mitte und 40.000 Followern in den sozialen Medien.
Begegnung in Maracaibo
Diese Geschichte ist auch eine Liebesgeschichte. Sie beginnt im Jahr 2006 an der Universität von Maracaibo. Dort begegnen sich die beiden späteren Canal-Arbeiterinnen. Sie studieren das gleiche Fach: Wirtschaftsingenieurwesen. Anschließend arbeiten sie in der Produktion und in der Logistikbranche.
Das Leben in ihrem Heimatland wird jedoch immer schwieriger – und gefährlicher. Die Mordrate ist eine der höchsten weltweit, Entführungen, bewaffnete Raubüberfälle und andere Gewaltverbrechen sind an der Tagesordnung. Auch Daniella und Lupe werden bedroht. Nach dieser Erfahrung verlassen sie Venezuela.
Verliebt in Berlin
Ihre erste Station in Europa ist Valencia. Hier absolvieren sie einen Master-Studiengang. Eine spannende Zeit: Lebten sie zuvor noch bei ihren jeweiligen Familien, haben sie nun zum ersten Mal eine Wohnung für sich. Und sie lernen viele neue Menschen kennen.
Wie ihr Nachname Eichner verrät, hat Lupe deutsche Wurzeln. Sie beginnt Deutsch zu lernen und möchte das Land ihrer Vorfahren kennenlernen. Bei einer Reise nach Berlin im Jahr 2011 verlieben sich Daniella und Lupe in den „ehrlichen Vibe” der Stadt. Spanien leidet zu dieser Zeit noch unter den Nachwirkungen der Finanzkrise. Das bestärkt sie in dem Entschluss, für eine Übergangszeit nach Berlin überzusiedeln.
Sie bleiben auf Dauer.
Eine neue Leidenschaft
Noch in Spanien fühlt sich Daniella zunehmend unwohl in dem Unternehmen, für das sie arbeitet. Sie entdeckt eine neue Leidenschaft und beschließt: Ich will lernen, wie man Eiscreme macht – und zwar von den Besten. Sie schreibt sich im Istituto italiano di Arti Culinarie e Ospitalità (CAST) in Brescia ein. Es folgen Studien bei Meistern ihres Fachs in ganz Europa. In Berlin eröffnen Daniella und Lupe 2014 ihr erstes kleines Café in Berlin. Dabei sammeln sie ihre ersten wichtigen Erfahrungen mit der Führung eines Unternehmens und mit der deutschen Bürokratie. Vor allem aber finden sie heraus, was sie wollen – und was nicht.
Schon im folgenden Jahr gehen sie einen wichtigen nächsten Schritt – mit einer Eisdiele in Hof 1 der Hackeschen Höfe. Lupe steht hier Tag für Tag hinter dem Tresen. Während dieser Zeit wächst ihr der kleine Laden ans Herz. Von den drei Canal-Standorten ist er ihr bis heute der Liebste, sie freut sich, wenn sie mal wieder dort arbeitet. Heute kommt sie jedoch kaum noch dazu, selbst zu verkaufen.
Die Anfangszeit ist hart. Beide arbeiten sieben Tage in der Woche. Auch die gemeinsame Führung eines Unternehmens ist zunächst nicht einfach. Beide machen alles. Inzwischen haben sich die beiden Freundinnen die Aufgabenbereiche aufgeteilt.
Vom Eis zum Gebäck
Die Beschäftigung mit Gebäck als Zutat von Eiscreme weckt Daniellas Interesse für die Konditorei. Nach einem Jahr des Lernens kommen 2018 erstmals Éclairs in die Verkaufstheke. Die Einführung der neuen Produktlinie ist zunächst nicht einfach. Éclairs kannte man in Berlin zuvor nicht. Inzwischen haben sie sich zum wichtigen zweiten Standbein des Unternehmens entwickelt, das es über den Winter trägt. Im Jahr 2018 wird auch der Name und die Marke Canal geboren – benannt nach Daniellas Nachnamen.
Das allererste Café wird geschlossen, zwei neue kleine Cafés kommen hinzu – die Eisdiele in den Hackeschen Höfen bleibt. Das Sortiment wächst. Ob Eis, Éclairs oder andere Patisserie-Spezialitäten – Daniela und Lupe beherrschen ihr Handwerk. Und sie wissen, wie sie es in Szene setzen. 40.000 Instagram-Follower begleiten sie auf ihrem Weg.
Inhabergeführte Geschäfte prägen die Hackeschen Höfe. Dahinter stehen Persönlichkeiten, die mit einer starken Idee, Kreativität und großer Beharrlichkeit ein Unternehmen und eine Marke aufgebaut haben. Ein großer Teil von ihnen ist weiblich. In unserem Blogbeitrag Die Hofherrinnen stellen wir vier Selfmade-Women vor.