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Die Kunst der Körper. Wie Aurora Nova aus den Hackeschen Höfen Shows in die Welt schickt

GOM – Gravity and other Myths, © Morgan Sette
GOM – Gravity and other Myths, © Morgan Sette
April 2026

Das Showbusiness hat in den Hackeschen Höfen ein Zuhause. Das Chamäleon-Theater ist weit über Berlin hinaus bekannt. Hinter den Kulissen agiert die Buchungsagentur Aurora Nova: Sie vermittelt Shows aus Tanz, Zirkus und Theater an Festivals und Spielstätten weltweit – Shows, die berühren, unterhalten und unter die Haut gehen. Wir sprachen mit dem Chef Wolfgang Hoffmann.

Der Entdeckungsreisende

Die Hackeschen Höfe sind seit 1906 ein Ort für Kunst und Unterhaltung. Das Kino in den Hackeschen Höfen und das Chamäleon-Theater kennt in Berlin jeder. Es gibt in den Höfen aber auch Unternehmen, die hinter den Kulissen des Showgeschäfts arbeiten. Sehr erfolgreich tut das die Agentur Auroranova des Impresarios Wolfgang Hoffmann.

Er hat einen Traumjob: um die Welt reisen und neue Shows entdecken. Deshalb ist es gar nicht so einfach, ihn zu treffen. Als wir ihn sprechen, ist er gerade aus China zurückgekehrt. Für einen Bühnenmenschen und Akteur des Showgeschäfts wirkt Hoffmann erstaunlich zurückhaltend, nachdenklich, fast bescheiden.

Vielleicht liegt gerade darin ein Geheimnis seines Erfolgs. Er weckt Vertrauen – und vermittelt das Gefühl: Dieser Mann zieht niemanden über den Tisch.

Shows mit Effekt

Aurora Nova vertreibt Showproduktionen weltweit. Die Betonung liegt auf Produktionen. Andere Agenturen vertreten Künstler oder Kompanien – unabhängig davon, was sie auf die Bühne bringen. Hoffmann dagegen setzt auf Substanz. Als sogenannte „Boutique-Agentur“ hält er sich die Möglichkeit offen, Künstlern auch mal abzusagen. Das macht die Arbeit aufwendig, denn jede Show wird sorgfältig geprüft, bevor sie ins Portfolio kommt. Gleichzeitig ist genau das ein Alleinstellungsmerkmal: Spielstätten können sich darauf verlassen, dass Aurora-Nova-Produktionen sehenswert sind. Der Fokus liegt auf Körpertheater, Neuem Zirkus, Tanz und Klamauk – auf Shows, die über Sprachgrenzen hinweg funktionieren.

Manifesto, © Roy Van Der Vegt
Manifesto, © Roy Van Der Vegt

Zusammenarbeit mit dem Chamäleon-Theater

Viele Produktionen aus dem Portfolio, etwa von „Gravity and Other Myths“, kennt man aus dem Chamäleon-Theater. Dass sowohl Aurora Nova als auch das Theater im ersten Hof der Hackeschen Höfe ansässig sind, ist kein Zufall. Hoffmann arbeitete ab 2010 für ein Schwesterunternehmen des Chamäleon, das die Eigenproduktionen vertrieb. Während er sich in der Elternzeit befand, ging die Firma pleite. Denn der von ihm zuvor verantwortete Bereich war der einzige, der Geld einspielte. Hoffmann entschloss sich, mit einem breiter aufgestellten eigenen Unternehmen weiterzumachen.

Die Verbindung zum Chamäleon blieb eng: Jedes zweite dort gezeigte Stück wird von Hoffmann international vermittelt. Gleichzeitig vertreibt er – wie schon zuvor – die Eigenproduktionen des Theaters auf dem internationalen Markt.

CIRC, Carnival of the Animals, © Damien Bredberg
CIRC, Carnival of the Animals, © Damien Bredberg

Aus der Fabrik in die Festivalszene

Ursprünglich hatte Hoffmann eine Karriere als Schauspieler und Tänzer verfolgt. In der Wendezeit besetzte er mit anderen eine leer stehende Brauerei in Potsdam und gründete dort das selbstverwaltete Kulturprojekt „Die Fabrik“, das jungen Talenten eine Bühne bot. Hoffmann war Produzent, Teil der Vereinsleitung, übernahm gemeinsam mit anderen die künstlerische Leitung – und stand zugleich selbst als Mitglied einer Tanztheater-Kompanie auf der Bühne.

Mit dieser „Fabrik Company“ nahm Hoffmann um die Jahrtausendwende mit großem Erfolg am Edinburgh Fringe Festival teil. In dieses Festival kaufen sich junge Talente mit viel Geld ein. Hoffmann entwickelte ein alternatives, gemeinschaftlicheres und weniger kompetitives Format – und bespielte damit eine eigene Bühne. Der Name: Aurora Nova. Das „Festival im Festival“ machte ihn in der Szene bekannt. Später leitete er mehrere Jahre das Dublin Fringe Festival. Die entstandenen Verbindungen, der gute Ruf in der Szene und der bekannte Name Auroranova halfen ihm später für seine Agentur. Damals begann er, an dem „engen Netzwerk lieber Menschen“ zu knüpfen, das sein Unternehmen bis heute trägt.

Ein besonderer Standort für besondere Produktionen

Hoffmann arbeitet mit drei Mitarbeiter:innen in einem Raum in einer Bürogemeinschaft im ersten Stock von Hof 1. Weitere Kollegen arbeiten extern, in Paris, Wien und Wiesbaden.

Er wohnt im weit entfernten Zehlendorf. Seine Frau wünscht sich einen Arbeitsplatz näher am Wohnort. Doch Hoffmann will in den Höfen bleiben. In zentraler Lage kann er hier internationale Gäste besser treffen und bewirten, ein weiterer Grund ist die enge Zusammenarbeit mit dem Chamäleon-Theater. Nicht zuletzt das Umfeld der Hackeschen Höfe passt zu seinem künstlerischem Anspruch. Mit seinen Produktionen, die nicht „von der Stange kommen“, ist er hier genau am richtigen Ort.