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Mit den Hackeschen Höfen entstand 1906/07 auf ca. 9.200 m² Grundfläche die größte Gewerbe- und Wohnhofanlage in Deutschland. Die prominente Lage am Hackeschen Markt und an der sich zur Einkaufsmeile entwickelnden Rosenthaler Straße machten die Höfe für Produktion, Groß- und Einzelhandel gleichermaßen attraktiv.
Von nicht geringer Bedeutung war für die Standortwahl die unmittelbare Nachbarschaft zu der 1903 fertiggestellten Filiale des Kaufhauskonzerns Wertheim an der Ecke Sophien-/Rosenthaler Straße. Der zweite Zugang der Hackeschen Höfe lag an der Sophienstraße direkt gegenüber dem Erweiterungsbau des Kaufhauses von 1905.
Bis in die Zwanziger Jahre herrschte in den Hackeschen Höfen eine vielfältige Mischnutzung vor. Im Vorderhaus an der Rosenthaler Straße ließ sich 1906 die Depositenkasse der Commerzbank nieder. Eine Firma für Herrenkonfektion, für Musikinstrumente, eine Stoffhandschuhfabrik und ein Unternehmen für Pelzwaren hatten sich in den Stockwerken darüber etabliert.
Das Weinrestaurant der Firma Wilhelm Neumann erstreckte sich seit 1906 mit einem angeschlossenen Weinhandel vom Vorderhaus bis in den linken Seitenflügel des ersten Hofes. In dem als Festsaaltrakt genutzten Quergebäude befand sich im Erdgeschoß ein weiteres Restaurant. Im ersten Stock lag ein eingeschossiger, im Stockwerk darüber ein zweigeschossiger Festsaal. Von Wilhelm Neumann betrieben, wurden sie unter seinem Namen zum Begriff. Hier fanden Familien- und Vereinsfeiern statt, die seinerzeit im Leben des mittleren Bürgertums, das gerade die Spandauer Vorstadt prägte, eine bedeutende Rolle spielten.Am 8. November 1909 kam es in den Hackeschen Höfen sogar zu einem Ereignis von überregionaler Bedeutung. In einem der Neumannschen Festsäle konstituierte sich "Der Neue Club", eine Vereinigung expressionsitischer Dichter.
Gleichzeitig wurde in den Höfen Konfektion hergestellt und verkauft. Daneben florierte die Produktion und der Handel von Metallwaren. An Lebensmittelfirmen waren u. a. vertreten: ein Mehlgroßhandel, die Deutsche Kaffee-Import-Gesellschaft, eine Futterhandlung, ein Buttergeschäft sowie eine Kleiehandlung. Firmen für Kontoreinrichtungen, Büromöbel und Ladeneinrichtungen hatten sich ebenfalls in den Stockwerkfabriken angemietet. Ferner waren eine Stempel-, eine Pappen- und eine Chemische Fabrik in den Höfen ansässig.
Die ca. 80 Wohnungen lockten mit ihrer seinerzeit als luxuriös geltenden Ausstattung Gewerbetreibende, Kaufleute und Rechtsanwälte als Mieter an. Zu dieser Ausstattung gehörten Innentoiletten, Bäder, Zentralheizung, Parkett und Deckenstuck.
Autor: Ernst Siebel
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