Schon relativ früh, nämlich kurz vor Ausbruch des Ersten Weltkriegs, verließen viele Firmen die Höfe wieder. Bedingt durch Krieg und Inflation reduzierte sich das Wirtschaftsleben in den Hackeschen Höfen. Bereits 1920 wechselte die Immobilie in den Besitz der Hackeschen Hof GmbH, die wiederum 1924 von dem Spekulanten Jakob Michael erworben wurde.

1920 hatte Wilhelm Neumann den Betrieb der Festsäle aufgekündigt, 1927 schloß er auch sein Weinrestaurant. Ab 1930 richtete sich die Emil Köster AG in den Hackeschen Höfen ein. Seit 1926 war diese Aktiengesellschaft insgeheim im Besitz von Jakob Michael, der ihr die Defaka (Deutsches-Familien-Kaufhaus) angliederte. Nach 1932 nutzte die Emil Köster AG das Vorderhaus an der Rosenthaler Straße als Firmenzentrale. Der zweigeschossige Festsaal im Quergebäude wurde durch das Einziehen einer Decke zweigeteilt und nunmehr auf beiden Stockwerken als Betriebskantine der Defaka genutzt. Diese bauliche Maßnahme zerstörte den oberen Fassadenabschluß des ehemaligen Festsaaltrakts.

Auf diese Weise wurde der Rückzug von Kultur und Öffentlichkeit aus den Hackeschen Höfen offensichtlich. Sieht man davon ab, daß der einstöckige Festsaal seit 1920 als Kino diente, unterschied sich die Nutzung der Anlage fortan kaum noch von anderen Berliner Gewerbe- und Wohnhöfen. Bis zum Ende des Zweiten Weltkriegs wurde ein Großteil der Gewerbeflächen von der Defaka als Lager genutzt.

Seit 1932 stand die Jakob Michael gehörende Hackesche Hof GmbH unter Zwangsverwaltung. 1940 erfolgte ihre Zwangsversteigerung. Erworben wurde die Immobilie von der ebenfalls Jakob Michael eigenen Emil Köster AG, die offiziell ein amerikanischen Strohmann besaß. Bereits 1932 war Michael Staatsbürger Liechtensteins geworden, 1939 als Jude aus Europa in die USA emigriert. 1942 wurden die Höfe als Fremdvermögen unter Kuratel, 1945 von der Sowjetischen Militäradministration unter Sequestration gestellt, 1949 enteignet und 1951 als Volkseigentum deklariert.

In der DDR-Zeit kam es zu weiteren Zweckentfremdungen. So diente der kleine Festsaal im rechten Seitenflügel als Werkstattlager, das Restaurant im Quergebäude als Autowerkstatt. Ein 1947 von Walter Nehrlich aufgebauter Konfektionsbetrieb verwandelte sich 1972 in die VEB Herrenkleidung Berlin. Bis in die sechziger Jahre fungierte der untere Festsaal im Quergebäude als Kino. In den Räumen der ehemaligen Defaka-Betriebskantine probte das Folkloretanzensemble der DDR. Ab 1964 nutzte das DDR-Fernsehen die Kinoräume als Probestudios.

Allerdings konnten die Mieter der Hackeschen Höfe die Hoffassaden vor der Modernisierung retten und somit die Grundlage für die Renaissance der Hofanlage nach 1989 schaffen. Kurz vor der politischen Wende wurde im Vorderhaus an der Sophienstraße mit dem Sophienclub ein Veranstaltungsort für Jazzmusik eröffnet. Es handelte sich dabei um eine für DDR-Verhältnisse fast subversive Maßnahme, die sich allerdings stimulierend auf die spätere kulturelle Nutzung der Höfe auswirken sollte.

Autor: Ernst Siebel